In 28 Minuten per Bahn von Brilon-Wald nach Korbach

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In 28 Minuten per Bahn von Brilon-Wald nach Korbach

Quelle: Briloner Anzeiger ( www.briloner-anzeiger.de ) vom 16.04.2003
Bild: www.zu-den-zuegen.de

Am vergangenen Donnerstag (10.04.2003, Anm. d. Webmasters) informierten die Kurhessenbahn und der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) rund 50 Besucher über die geplante Sanierung des Viaduktes in Willingen.

Die Brücke wurde während des ersten Weltkrieges gebaut und ist 32 Meter hoch. Rund 80 Jahre fuhren die Züge von Willingen nach Usseln und Brilon-Wald über das Viadukt, bis es 1999 aufgrund seiner Baufälligkeit gesperrt wurde.
Da Experten die Erhaltung der Brücke auf damals 50 bis 80 Mio. DM schätzten, schien der Weg der Sanierung für die Zukunft die bessere Lösung. Für 9 Mio. Euro "plus einen Betrag x" wird das Wahrzeichen Willingens auf neuen Hochglanz gebracht.

Das genaue Vorgehen erläuterte Günther Krex, der schon bei der Sanierung des Usselner Viaduktes die Bauaufsicht führte. Zuerst werden in jeden Pfeiler mittels schwerer Geräte über 20 Löcher gebohrt. In diese Löcher wird eine flüssige Betonmischung gepresst, die den Innenbau der Brücke festigen soll. Später wird dann die Schale mithilfe von Wasserdruck abgestemmt und durch eine Betonschicht ersetzt.
Diese Arbeiten sollen bis Anfang Juli, zu Beginn der Sommerferien, abgeschlossen sein, da sie sehr lärmintensiv sind. Diese Phase sei jedoch nicht zu umgehen, denn "wo gebaut wird, fallen Späne", so Mitarbeiter der Kurhessenbahn.

Um jedoch die Anwohner in der "kritischen Phase" so wenig wie möglich zu belästigen, wird das Viadukt in Folien und schallschutzdämmende Matten gehüllt. Um mögliche Schäden an den umliegenden Häusern später ersetzten zu können, wird ein Gutachter im Mai diese Häuser in Augenschein nehmen. Wenn das Wetter mitspielt, können danach die kleineren Arbeiten beginnen, Fahrbahn und Geländer werden erneuert, der letzte Spritzbeton wird aufgebracht. Diese erste von zwei geplanten Bauphasen soll noch Ende dieses Jahres abgeschlossen sein, damit der Bahnverkehr über das Viadukt wieder rollen kann.

In der zweiten Phase soll der untere Teil der Brücke saniert werden. Das endgültige Ende der Bauarbeiten wird im Herbst 2004 erwartet. Die Restaurierung des Viadukts ist nur ein Teil eines großen Sanierungsprojektes, das größtenteils durch Bundesmittel finanziert wird und ohne die Unterstützung von allen beteiligten Gemeinden nicht möglich wäre. Für rund 90 Mio. Euro werden die Bahnhöfe Willingen und Usseln mit Schalthäusern ausgerüstet, die von Korbach aus gesteuert werden sollen. Außerdem werden die Bahnsteige modernisiert und der Willinger Bahnhof mit einem Fahrkartenautomaten bestückt, so dass das Bahnhofsgebäude überflüssig wird.

Was damit in Zukunft geschieht ist noch unklar.
Zudem steht die Sanierung der Bahnbrücken in Bömighausen und Rhena an. Doch vor allem mit der Modernisierung der Strecke Brilon-Wald-Korbach soll endlich wieder ein "Bahnanschluss Richtung Osten" bestehen, so Bürgermeister Bechstein.

Der Oberbau der gesamten Strecke soll erneuert werden. Die Stellwerke von 1916 und die Schienen aus den 60er Jahren werden ersetzt. Außerdem ist geplant, eine völlig neue Signaltechnik zu montieren, die allerdings noch auf ihre Tauglichkeit geprüft werden muss.
Ziel ist, die Strecke Brilon-Wald-Korbach innerhalb von 28 Minuten zurücklegen zu können und die Züge im Zweistundentakt fahren zu lassen. Doch auf dem Infoabend in Willingen kam auch die Frage zur Sprache, warum die Züge nur bis Brilon-Wald fahren und nicht bis Brilon(-Stadt).
So wäre eine Verbindung zwischen Willingen, Korbach und dem westfälischen Raum Brilon, Paderborn geschaffen. Vor allem für den Tourismus wäre dieser Anschluss interessant. Aber auch die ansässigen Firmen würden von der Strecke profitieren. Die nötigen Voraussetzungen, wie Weichenverbindungen und Zeit wären vorhanden.

Auch die Kurhessenbahn wäre bereit die Strecke bis Brilon zu erweitern. Dazu müssten jedoch die Vertreter der Stadt Brilon aktiv werden, so der Tenor der verantwortlichen Mitarbeiter und einiger Besucher. Im Mai, wenn endgültig die Baufirma, die die Sanierung vornimmt, feststeht, findet ein weiterer Informationsabend statt, wo dann weitere Fragen beantwortet werden sollen.

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