Personennahverkehr zwischen Brilon-Wald und Brilon frühestens ab 2007

Zur Übersicht

Personennahverkehr zwischen Brilon-Wald und Brilon frühestens ab 2007

Quelle: Briloner Anzeiger vom 27.04.05 - www.briloner-anzeiger.de


Der Zweckverband Schienenpersonalverkehr Ruhr-Lippe (ZRL) prüft derzeitig die Möglichkeiten, Personenverkehr auf der Strecke nach Brilon-Stadt wieder zu bestellen.
Grundlage hierfür ist der Nahverkehrsplan des ZRL und die Planungen des Landes zum Ausbau der Oberen Ruhrtalbahn einschließlich der Erschließung des Streckenteils nach Brilon-Stadt. Zusätzliche Diskussionen wurden ausgelöst durch die Überlegungen bei DB Netz, den Streckenteil an einen neuen Erwerber zu verkaufen. Dadurch wurden auch Fragen zum Erhaltungsstandard und zur Existenz der Strecke aufgeworfen, um den Güterverkehr auf lange Sicht betreiben zu können. Wolfgang Diekmann, CDU-Kreistagsmitglied und Mitglied des Zwechsverbandes aus Brilon-Pertersborn, hat sich nach dem aktuellen Sachstand beim ZRL erkundigt und Antwort erhalten.

DB Netz hat Überlegungen zum Verkauf der Strecke, die im Übrigen keine Stilllegung bedeutet hätte, zurückgestellt und prüft im Auftrag des ZRL verschiedene Planungsvarianten mit ihren baulichen Investitionskosten, um künftig auch Personenverkehr bestellen zu können. Noch nicht ganz abgeschlossen sind die planerischen Überlegungen zur Konzeption des neuen Haltepunktes in Brilon-Stadt. Für diesen Haltepunkt ist die Finanzierung zwischen allen Beteiligten noch nicht abgeklärt, da auch ein finanzielles Engagement vor Ort erforderlich sein wird.

Bezüglich des betrieblichen Konzeptes hat die Kurhessenbahn dem ZRL ein Betriebskonzept unterbreitet, Brilon-Stadt stündlich aus Richtung Korbach - Willingen zu bedienen. Beim ZRL haben jedoch mittelfristig weitergehende Vorstellungen sowohl die Kurhessenbahn als auch DB NRW als Betreiber vorzusehen. Speziell hierzu wird in Brilon-Wald untersucht, die Züge der "Sauerland-Express" alle zwei Stunden teilen zu können, damit ein Zugteil auch nach Brilon-Stadt ohne Umstieg aus Hagen verkehren könnte. Darüber hinaus könnten auch einzelne Züge der "Dortmund-Sauerland-Express" im Berufsverkehr hinzukommen. Das Ergebnis der Prüfung bezüglich der mittelfristigen Flügelung der Linie RE 17 in Brilon-Wald steht von DB Netz noch aus.

Vision: Über Korbach-Frankenberg nach Marburg


Mit der möglichen Reaktivierung von Brilon-Stadt wird auf nordhessischer Seite auch die Inbetriebnahme der stillgelegten Strecke Korbach - Frankenberg gesehen, die für 2008 geplant ist. Es würde eine ganz neue Verbindung im Zweistundentakt nach Marburg mit Reisezeitvorteilen gegenüber der Umsteigeverbindung in Kassel nach Frankfurt entstehen, die für den östlichen Hochsauerlandkreis und für den Sauerlandtourismus von Bedeutung sein werden.

Neben der Marburger Anbindung verspricht sich der ZRL einen größeren Fahrgastzuspruch, wenn man auch Direktverbindung über die RE 17 zu allen Städten im Oberen Ruhrtal (Meschede, Arnsberg) zweistündlich zum Oberzentrum Hagen mit Fernverkehrsanschlüssen herstellen könnte. Dies alles ist jedoch noch Zukunftsmusik, da dieses weitergehende Konzept neben den technischen Voraussetzungen in Brilon-Wald auch neue Fahrzeuge erfordern wird und erst zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden könnte.

Wichtig sind für den ZRL und den HSK als Aufgabenträger derzeit folgende Fragestellungen:
  • Ist der ZRL langfristig in der Lage die zusätzlichen Leistungen unter den gegenwärtig finanziellen Rahmenbedingungen zu bestellen?
  • Wie sieht die Finanzierung des Haltepunktes Brilon-Stadt und die gewünschte Flügelanlage in Brilon-Wald aus?
  • Ist ein Stufenkonzept in der Betriebskonzeption denkbar mit späterer Option, auch aus Hagen nach Brilon-Stadt zu bestellen?
  • Welche Auswirkungen kommen auf den kommunalen Busverkehr in der Gesamtberatung der Erschießung von Brilon-Stadt zu?
Hier, so Wolfgang Diekmann, dürfe es zu keiner Benachteiligung der Busverbindungen von Brilon-Wald nach Brilon kommen.
Die Wiederherrichtung des knapp 7 km langen Streckenteils für den Personenverkehr ist voraussichtlich auch von der Finanzierung her weniger problematisch, da auch für den Netzbetreiber neue Einnahmen entstehen. Wenn alle Voraussetzungen zu einem positiven Bewertungsergebnis führen, könnte frühestens zum Fahrplanwechsel Dezember 2007 oder im Folgejahr der Personenverkehr aufgenommen werden. Dabei gehen die derzeit getroffenen Annahmen davon aus, dass sich keine grundsätzlichen Veränderungen in der Finanzierungssystematik der Mittelzuweisung des Bundes und des Landes im SPNV für den Zweckverband ergeben.

Bis zum Herbst des Jahres erwartet der CDU-Kreistagsabgeordnete die Beantwortung der noch offenen Fragen und eine Entscheidung des ZRL.

Dieser Artikel wurde bisher 10713mal aufgerufen.