Nutzungskonzept für Bahnhof Brilon-Wald vorgestellt

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Nutzungskonzept für Bahnhof Brilon-Wald vorgestellt

Quelle: briloner-anzeiger.de' class='external'>Briloner Anzeiger vom 11. Juni 2008

Brilon. (ba/hgv) Rund 150 Bürger aus Brilon, Brilon-Wald und aus Willingen waren ins gut gefüllte Briloner Kolpinghaus gekommen, um sich über mögliche Nutzung und Kosten für den Bahnhof Brilon-Wald zu informieren. Joachim Richter von den Briloner Bauhandwerkern stellte zunächst klar, dass die Bausubstanz des Bahnhofsgebäudes wesentlich besser sei als angenommen. Er wies auf die steigende Tendenz der Bevölkerung hin, wegen hoher Ölpreise mit der Bahn zu fahren. Joachim Richter bat zunächst Architekt Eckhard Lohmann ans Rednerpult, der das Konzept erläutern sollte. Lohmann, der in den letzten Jahren viel Erfahrung im Umgang mit alter Bausubstanz gewonnen hat, steht dem Erhalt des Gebäudes positiv gegenüber. Brilon-Wald als "Waldbahnhof", lasse sich sehr gut integrieren in ein touristisches Gemeinschaftskonzept mit dem Rothaarsteig, dem Briloner Kammweg und auch für den Willinger Tourismus.

1872 wurde in Brilon-Wald der erste Bahnhof gebaut, 1913 aber wieder abgerissen zugunsten eines Neubaus, wie er sich heute noch präsentiert. Im Jahr 2004 kaufte die Stadt Brilon den Bahnhof, um "Fehlentwicklungen im Ort zu verhindern", wie Lohmann sich ausdrückte. Eine derzeitige Bestandsaufnahme ergebe, dass es dort heute weder Empfangs-, noch Aufenthaltsqualitäten gäbe. Für den Bahnhof dagegen spräche seine gute Bausubstanz, die reizvoll gebirgige Umgebung, positive Entwicklungs- und Zukunftsperspektiven für Brilon-Wald als Verbindungsort zu Willingen mit den prägenden Baudenkmälern Bahnhof und Essigturm. Der bekannte Waldbahnhof mit der romantischen Ansage: "Hier Brilon-Wald, hier Brilon-Wald" passe zur waldreichsten Stadt mit Waldfreibad, Waldjugendherberge, Bürgerwald oder Wellnesswald (und damit in den "Gesundheitspolitischen Masterplan Brilon", den die Stadt für viel Geld erstellt hat, um den es z.Z. aber recht ruhig geworden ist. - Anm. der Redaktion).
Außerdem sei technische Nostalgie "in" und ein Abbruch keine Alternative. Die Abrisskosten von Euro 150.000 ¤ und eine ansprechende Wiederherrichtung des Geländes glichen sich in etwa aus, so der Experte. Im Übrigen habe auch Verkehrsminister Oliver Wittke gefordert, Zukunftsperspektive sinnvoll aus dem Bestand zu entwickeln.

Eine Nutzung des Bahnhofes liege auch trendnah für "Wandern, Energie sparen, Rad fahren, Gruppenerlebnisse, Eisenbahnbegeisterung und -hobby". Eine Nutzung als Hotel sei dann sinnvoll, so hätten Experten gewertet, wenn das Haus viele Fremdenzimmer hat. Die Umbaupläne des Erdgeschosses und der ersten Etagen weisen dann auch insgesamt 56 Übernachtungsplätze in Doppel- und Einzelzimmern und in vier Schlafsälen mit je sechs Betten auf. Ein Restaurant mit Biergarten, eine Küche, die sowohl Restaurant, als auch einen Imbiss im Vorraum bedient sowie vier Schlafzimmer sind im Erdgeschoss geplant. Dazu kommen Ski- und Fahrradverleih, Taxi, Kleinbus und Smart-Verleih, Bank- und Fahrkartenautomat sowie eine Fahrradwaschanlage und evtl. ein Wohnmobilhafen.

Als besondere Attraktion könnten Bahnfans mit Übernachtungsmöglichkeiten in historischen Schlafwagen auf einem stillgelegten Bahngleis angelockt werden. Um dies zu realisieren, müssten alle Fördermöglichkeiten ausgeschöpft werden und es bedürfe einer guten Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit, sagte Eckhard Lohmann. Kreisdirektor Winfried Stork steht dem Projekt Bahnhof Brilon-Wald wohl positiv gegenüber. "Das Projekt ist hochinteressant", bekannte er von den Ausführungen des Architekten angetan. Es sei wichtig für Brilon und die weitläufige Umgebung, sowohl den Personen-, als auch den Güterverkehr auf der Schiene zu nutzen. Fördermöglichkeiten sieht Stork allerdings nur bei den Bahndingen, nicht für das Gebäude selbst. Das Bahnhofsgebäude könne aber Unterstützung durch die Städtebauförderung erfahren.

"Das Projekt muss sich alleine tragen," konstatierte der Kreisdirektor, "das Nutzungskonzept muss stehen". Man müsse aber sehr genau trennen zwischen den bahntechnischen Dingen und dem Gebäude, das keinen Einfluss auf den Bahnbetrieb hat. Das Gebäude müsse von bei der Finanzierung und Nutzung allein betrachtet werden. Das geht aber nur, wenn Investoren in das Projekt einsteigen. Bis das Bahnhofsgebäude als Hotel fertig ist, kommen da Kosten von 1,2 bis 1,25 Millionen Euro zusammen, schätzen der Architekt, wobei aber die Abrisskosten von Seiten der Stadt Brilon als Zuschuss diesen Betrag mindern würden. Eine anschließende Diskussion mit dem Auditorium brachte verschiedene Meinungen zutage. War die Mehrheit wohl für einen Erhalt des Bahnhofs, war es umso erstaunlicher, dass gerade aus Reihen der Brilon-Walder vereinzelt auch der Abriss des Gebäudes gewünscht wurde. Offensichtlich sitzt der Frust ob der vielen in den letzten Jahren gemachten Pläne (Pelletfabrikation, Skihalle u.ä.) noch tief.

Dennoch war es Ortsvorsteher Manfred Sack, der die Vorschläge der Briloner Bauhandwerker interessant fand und auch zum Ausdruck brachte. Hans Witteler sieht den Brilon-Walder Bahnhof (mit Hotel und Service für Radfahrer) auch gut eingebunden in einen zukünftigen Hoppecke-Radweg, der weiter an der Diemel entlang bis Bad Karlshafen führt. Letztendlich wird die Realisierung des Bahnhofprojektes von geeigneten Investoren abhängen. Konkretes liege bereits vor, versprechen die Protagonisten optimistisch. Ein Briloner und ein Willinger Gastronom haben sich schon vom "Bahnhofvirus" anstecken lassen - vier weitere zeigen sich interessiert.

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